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Das erste Saisondrittel 2010

...von Katalysatoren und Regenrennen

1. Rennen -  Nürburgring – schlechtes Ergebnis durch techn. Defekt – ohne es zu wissen

nach dem Rennen am Nürburgring riesen Enttäuschung... 9. Platz - 1:37,6 - miserable Leistung

dabei lief es vor einer Woche beim Training in Oscherleben so gut und ich konnte meine Bestzeit in OSL auf 1:35,4 drücken... (die Zeiten OSL und NBR-kurz sind zufällig so gut wie identisch)
Ich zweifle an mir. 1:37,6 bin ich schon in meiner ersten Saison (2008) auf der untermotorisierten Kawa mit viel schlechterem Fahrwerk gefahren… Für was fahre ich ne 750er mit top überarbeitetem Fahrwerk?

Training am Mittwoch – jetzt war alles klar

Trotzdem gings direkt eine Woche später am Mittwoch nach dem Rennen schon wieder zum Nürburgring... ein Michelin-Testtag auf dem großen Kurs stand an. Eigentlich ein ganz „unwichtiges“ Training - so einfach mal nebenbei just4fun… denn der NBR war ja im Rennkalender bereits erledigt.

Doch dieses Training sollte sich als das wichtigste bisher überhaupt herausstellen. Denn hier habe ich gemerkt, dass mein schlechtes Ergebnis 10 Tage zuvor eher auf einen Defekt am Motorrad zu schieben ist. Irgendwie erleichternd für mich, denn ich hatte schon wieder an mir gezweifelt… andererseits ärgerlich um die „verschenkten“ Punkte.

Bei diesem Training wurde es mir von Turn zu Turn klarer: mein Moped verliert Motorleistung! Das ist echt blöd, wenn das nicht plötzlich sondern schleichend geschieht… dann merkt man es einfach nicht gleich bzw. zweifelt eher an sich selbst oder an der Übersetzung, die dann von Runde zu Runde schlechter passt.

Nur als dann im dritten Turn auch 600er an mir vorbeiblasen packe ich zusammen und fahre zu Höly in Schriesheim, um auf dem Prüfstand zu erfahren, was Sache ist; 93 PS hatte ich noch übrig… nicht wirklich viel für ne 750er. Durch viele Telefonate schon auf der Autofahrt vom NBR nach Schriesheim lag der Verdacht auf der jetzt anscheinend richtigen Ursache: Es klingt unglaublich, aber die Rennverkleidung war schuld an einem zusammengeschmolzenen Kat!

Ganz einfach: das Bugteil der Verkleidung umfasste schon im „Normalzustand“ den Kat (welcher nunmal laut Reglement drin bleibt!). D.h. es waren nicht 5mm Luft, auch nicht 2mm sondern 0mm… das Bugteil lag komplett am Kat an. Um den Verkleidungskiel vor dem Verbrennen zu schützen, habe ich Trottel natürlich 3 Lagen Hitzeschutzmatten eingeklebt, was bedeutet, dass man die Verkleidung mit Kraft um den Kat ziehen und anschrauben musste. Somit war der Kat wunderbar hitze-isoliert und bekam keinerlei Luft mehr – konnte also keine Hitze mehr abgeben. Im Gegenteil; er bekam die Hitze durch die Wärmeschutzmatten direkt wieder zurückreflektiert.
Da der Kat dann wohl nach und nach zusammenschmolz, verklumpte und den Auspuff somit verstopfte, merkte ich am NBR beim Rennen noch garnicht wirklich, dass ich nach und nach Motorleistung verlor. Es fühlte sich nur zäh an, doch ich dachte es liegt an mir. Ich dachte, ich komme einfach mit zu wenig Schwung aus den Ecken.

Also musste eine neue Auspuffanlage (in der der Kat integriert ist) her, denn das Rennen in Schleiz stand noch in dieser Woche an!

Thomas Schiffler hatte noch eine Anlage übrig, also ruck-zuck bei ihm abgeholt, eingebaut und direkt zurück auf den Prüfstand --> 133 PS, so ist das schon besser :-)

Die Zeit hätte aber knapper nicht mehr ausfallen dürfen. Vom Prüfstand aus wurde praktisch direkt der Bus beladen und nebenher die Unterverkleidung großzügig per Stichsäge halbiert.

2.    Rennen - Schleiz – LÄUFT!

Erst jetzt wurde mir bewusst, wie wichtig der Michelin Test-Tag wirklich war. Denn ohne diesen wäre ich in Schleiz mit einem 93PS-Motorrad angetreten… doch es ist ja alles zum Glück nochmal gut gegangen.

Samstag morgen – die Schleizer Sonne ist da und Snoopy (Mattias von Hammerstein, Ex-IDM-Fahrer) auch! Es ist einfach geil, wenn Snoopy dabei ist, um mir zu helfen. „Helfen“ ist dabei gut gesagt, ich muss eigentlich garnichts mehr machen. Außerdem bin ich irgendwie immer höchstmotiviert, wenn er dabei ist. Zudem gibt er einfach super Tipps fürs Fahren – das einzige, was ich dann doch noch selbst machen muss.

Wir hatten schon im Vorfeld geplant, einen Doppelstart zu fahren – also über mein 750er Rennen (Kl.3) hinaus noch die Klasse 6, Open-1000 dazu. Somit hatte ich für den Samstag einen strammen Fahrplan von 56 Pflichtrunden in 4x 40min Dauerprüfung zu absolvieren.

Morgens um 08:25 Uhr gehts los mit dem ersten von vier 40min-Turns. Schon beim ersten Mal Hahn aufziehen in der Vollgas-Passage runter Richtung Dorf merke ich, dass die Kiste wieder richtig abgeht! Der Motor macht wieder was er soll und bringt ordentlich Schub aus den Ecken. Kein Vergleich zum zähen Hochdrehen am Nürburgring vor 2 Wochen, wo ich durch den technischen Defekt leider einige Punkte lassen musste.

Ich habe einen riesen Spaß und fange schnell an, die wichtigen Stellen fürs Rennen intensiv zu probieren und zu üben. Ich fahre durch bis abgewunken wird, um schon möglichst viele meiner Pflichtrunden hinter mich zu bringen.

Dann geht’s zurück zum Zelt. Ich setze mich kurz hin und ruhe mich aus, während die anderen, die jetzt mit ihrer Dauerprüfung dran sind gerade wegfahren von unserem Zeltplatz richtung Strecke. Doch durch meinen Doppelstart bin ich natürlich auch schon wieder dran. Während Snoopy das Moped auftankt und den Transponder wechselt, trink ich schnell noch nen Schluck Wasser und weiter gehts.

Ich entere erneut die Strecke…. Nicht nur irgendeine Strecke - das Schleizer Dreieck ist inzwischen meine absolute Lieblingsstrecke! – es folgt eine Runde mit mir auf meiner Suzuki GSX-R 750 K8, Leistung Serie, Übersetzung 15-47:

Auf Start Ziel macht man sich hinter der Verkleidungsscheibe so klein wie möglich und beschleunigt bis in den 5. Gang. Dann kommt die erste Links - die geht richtig schnell, aber nur mit der richtigen Linie. Spät bremsen, von weit außen kommen und spät aber hart einlenken, um genau am Curb entlang zu zirkeln. 30cm zu weit außen und man erwischt die böse Bodenwelle an dieser Stelle, die es nahezu unmöglich macht, einen nicht viel langsameren Fahrer hier außen zu überholen. Beim Rausbeschleunigen aus der ersten links kommt man nochmal über einen Absatz in der Straße. Den spürt man heftig und er versetzt das gesamte Moped über beide Räder ein paar cm weiter nach außen. Aber wenn man mit ordentlich Zug auf der Kette drüber fährt, stört das nicht weiter.

Dann gehts wieder links rum über den Buchhübel, eine traumhafte Kurve mit einer Bodenwelle auf der Ideallinie genau an den Zuschauer-Tribünen vorbei. Hier versucht man am Ausgang möglichst weit links zu bleiben, um für die folgende Rechts viel Schwung mit zu nehmen. Dann geht es (fast) Vollgas eine übelst schnelle Passage runter Richtung Dorf. Hier geht der Puls schonmal hoch, wenn die Linie durch die leicht geschlängelte Landstraße nicht genau passt. Man fährt direkt auf den Ort Schleiz zu, um kurz vor dem Ortseingangsschild noch leicht bergab hart zu ankern und nach links abzubiegen in den Streckenteil, der die beiden Landstraßen, welche durch Schleiz führen, mit einer 2.Gang-Schikane verbindet.

Nach der Schikane folgt Spaß pur: im zweiten Gang geht es mit gerne mal driftenden Hinterrad wieder auf die mit Curbs umrandete Landstraße, die dann bergab ins Tal führt. Diese Passage nennt sich „die Seng“ und ist zusammen mit dem Bergabstück Richtung Dorf meine absolute Lieblingspassage! Vollgas, dritter Gang, vierter Gang - alles in Linksschräglage. Kurz vor dem Curb links ist der 5. Gang fällig… also liegen bereits locker über 200 km/h an, wenn man das Motorrad mit einem kleinen Gaslupfer und Ziehen am linken Lenkerstummel nach rechts umlegt, bergab beschleunigt und bei weit über 200 km/h die Fuhre wieder nach links wirft, wo man nochmal mit Knie am Boden voll den Hahn aufmacht und sich kurz vor dem Drehzahlbegrenzer des 5. Gangs befindet.

Jetzt kommt eine trickreiche aber auch sehr geile Stelle: eine Rechts, die sehr schnell im dritten Gang geht, aber deutlich schneller gehen würde, wenn man nicht noch in der Rechtskurve die darauffolgende Links-Spitzkehre anbremsen müsste. Beim kurzen und harten Bremsvorgang haut man das Getriebe brutal zwei Gänge runter in den Ersten, nutzt das leichte HR-Rutschen beim Einkuppeln, um mit dem Heck „mitzulenken“, damit man direkt wieder im ersten Gang eng an den Curbs vorbei über die Wheelie-Kuppe beschleunigen kann, wo man dann schnell den Zweiten nachlegt.

Beschleunigen, dritter Gang, vierter Gang… dann folgt eine eher unspektakuläre 2.Gang-Rechts-Links-Schikane, bei der es wichtig ist, den zweiten Teil der Schikane - also die Links -mit viel Schwung von außen zu nehmen, um viel Speed auf die folgende Start-Ziel-Geraden mitzunehmen.

So gefahren schaffte ich im Verkehr und auf „Sicherheit“ schon 1:37er und einige 1:36er Zeiten, was für mich super gut war. Meine Bestzeit auf der 636er Kawa war 2009 im Rennen eine 1:38,0. Somit hatte ich mich schon jetzt um 1,5 sekunden verbessert – und das erst in der Dauerprüfung. Morgen mit weichen und neuen Reifen und im Rennen (ohne Verkehr) wird es eine 1:34-tief bis 1:34-mitte, da war ich mir ganz sicher!

Ich war Samstag abend, nachdem ich alle Dauerprüfungen hinter mir hatte, total euphorisiert und dankte Snoopy, weil ich genau wusste, dass ich ohne ihn niemals so schnell gefahren wäre. Schon seine zahlreichen Tipps vor 4 Wochen beim Training in Oschersleben (OSL Bestzeit 2009 1:37,5 – im Training 2010 1:35,4) legten den Grundstein für mein neu gewonnenes Vertrauen zu mir und dem Motorrad.

Abends beim Einschlafen im Bus träumte ich schon insgeheim von einem zentralen Podestplatz…

Doch es kam alles anders: Während die Fahrer der Klassen, die am Sonntag vormittag zuerst dran waren, noch schönen Schleizer Sonnenschein genießen konnten, zog sich der Himmel allmählich zu und öffnete pünktlich zu meinem ersten Rennen die Schleusen. Dass Snoopy mit Hilfe von Thorsten und Daryl innerhalb von gefühlten 22 Sekunden die Räder umgesteckt hatte, muss man schon fast nicht mehr erwähnen… ich fühlte mich fast wie ein Werksfahrer - und entsprechend wollte ich auch Gas geben!

Doch das erste Rennen war das der Klasse 6, also eigentlich „nur“ mein zusätzliches Trainings-Rennen, sozusagen ein WarmUp für mein Rennen in Klasse 3. Auf welcher Position ich beim Start stand, weiß ich nicht und das war mir auch egal. Es waren etliche Startplätze vor mir frei, weil andere Doppelstarter wohl nicht bei dem vorherrschenden Prasselregen an den Start gehen wollten, um doch keinen Sturz zu riskieren.

Der Start erfolgte unspektakulär, ich hielt mich in der ersten Kurve vornehm zurück, zumal ich durch das dunkle Visier in Verbindung mit der Regen-Gischt kaum die Strecke sehen konnte.
Mir fiel noch ein, dass wir vergessen hatten, die Dämpfung des Fahrwerks etwas zurück zu drehen, was man bei Regen gerne macht, um mehr Rückmeldung über den Grip von den Reifen zu bekommen. Das half mir nicht unbedingt, Vertrauen aufzubauen und schnell wurde mir klar, dass das für mich hier wirklich nur ein Einrollen wird, um später bei meinem „richtigen“ Rennen bessere Chancen zu haben. Und so rollte ich das Rennen zu Ende, gewöhnte mich immer mehr an die nasse Strecke und bekam letztendlich noch 6 Punkte für meinen 10. Platz :-)

Nach dem Rennen 40min Pause. Es hatte inzwischen aufgehört zu regnen. Doch die Strecke war noch nass, also blieben die Regenreifen drauf.

Ich stand am Start bei den 750ern und hatte einen riesen Vorteil den anderen gegenüber: Ich bin gerade gefahren, die anderen sitzen heute zum ersten Mal auf ihren Rennmaschinen und konnten sich an die nasse Strecke noch nicht gewöhnen.

Der Mann mit der roten Flagge geht von der Strecke, jetzt wird es ernst!

Der Blick auf die Ampel fokussiert. Die Drehzahl bei 7000 Touren. Das rote Licht geht an… bleibt… bleibt…. und aus, Start, zack Kupplung raus Vollgas! Mein Start gelingt ganz ok, aber was noch viel besser gelingt: ich bremse später als die meisten anderen auf die erste Kurve zu, muss nur Toni Heiler und Hans Ellmaurer Vortritt gewähren. Ich hänge die erste halbe Runde noch dicht an Hans Hinterrad doch merke sehr schnell, dass die beiden vorne ein super Tempo auf der nassen Strecke gehen können.

Nach und nach fahren sie mir weg. Doch hey, ich liege auf dem dritten Platz! Und das, obwohl ich im Regen eigentlich sehr schlecht bin… geil! Mein Training hat sich voll ausgezahlt und ich kann ein gutes Tempo finden.

Doch schon nach wenigen Runden steht die Überrundung der letzten Fahrer der Klasse 2 an, die nach uns 20 Sekunden zeitversetzt gestartet waren.

Ausgerechnet in der schnellen Passage Richtung Ort runter habe ich den Laternenträger der Klasse 2 vor mir. Und an der Stelle im Nassen ist es einfach viel zu gefährlich, sich vorbei zu pressen, weil man hier die gesamte Fahrbahnbreite ausnutzt. Beim Bremsen bin ich auch nicht beherzt genug, weil ich auf die noch nassere Spur ausweichen müsste, wo doch die Ideallinie schon am abtrocknen war. Also bleibe ich hintendran und warte bis nach der Schikane ab. Nach der Schikane rechne ich damit, dass der Vorausfahrende sich raustragen lässt und versuche innen zu bleiben. Doch falsch gerechnet: er bleibt selbst innen, warum auch immer. Und genau in dem Moment, als ich ausscheren will, um außen vorbei zu fahren, kommt Jürgen Hausmann an mir vorbei. Mist, nur noch Vierter! Schnell den zu Überrundenden überholt und hinter Jürgen her. Doch ich merke schnell, dass auch Jürgen eine super Speed gehen kann. Ich versuche mich dran zu beißen, um vielleicht später nochmal den letzten Podestplatz anzuvisieren. „Jetzt trocknet die Strecke immer weiter ab, das liegt mir!“, denke ich. Doch falsch gedacht. Die Regenreifen schmieren immer mehr, je trockener es wird. Wie auf Eiern ist das Gefühl beim Rausbeschleunigen. Das driftet zwar schön beim Rausfahren aus den Ecken, fühlt sich aber nicht so sicher an, wie ein leichter Drift im Trockenen. Als ich bei der nächsten Überrundung wieder viel zu zögerlich bin und wieder etliche Meter auf Jürgen verliere, nehme ich lieber Gas raus und sichere meinen 4. Platz ab.

Letztendlich bin ich total glücklich mit meinem 4. Platz bei diesen Verhältnissen. Im Trockenen wäre hier und an diesem Wochenende mehr drin gewesen, aber das Wetter kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen.

Glückwunsch an Toni Heiler, der das Rennen vor Hans Ellmaurer gewinnen konnte und damit die Führung vor Dirk Schnieders in der Meisterschaft übernimmt, der aus dem Feld aus der Box hinterher starten musste und am Ende hinter mir nur 5. wurde.

Schleiz 2010 war trotz des Regens am Sonntag nachmittag wieder ein super Event! Vielen Dank an den AMC-Schleizer-Dreieck für die rundum super gelungene Veranstaltung! Bitte 2011 wieder – am besten gleich 2mal! :-)

- Dinner


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